Sonntag, 21. Februar 2016

Aktuelle Alben: Obscura - Akróasis (Progressive Death Metal)

Veröffentlicht: 05.02.2016

Spinn ich oder was passiert hier? OBSCURA lassen ein schieres Monster von Album auf uns los. 5 Jahre sind seit dem letzten vergangen, von dessen Besetzung nur noch Bandkopf Steffen Kummerer übrig ist. Bassist Linus Klausenitzer war immerhin schon für die Coversongs auf der Compilation "Illegimitation" verantwortlich, aber Rafael Trujillo (g.) und Sebastian Lanser (dr.) zeigen erst auf diesem Album dass sie zu Obscura passen wie der berühmte Arsch auf den Eimer.

Beginnend mit Sermon of the seven suns offenbart sich auf AKRÓASIS ein Freudenfest für Fans progressiver Töne, Death Metal Maniacs und Liebhaber glasklarer Produktionen. Musik dieser Komplexität hat den Anspruch, dass kein Instrument überhört werden sollte und dessen werden OBSCURA absolut gerecht. Der Gesang von Mastermind Kummerer (der sich auch für Thulcandra verantwortlich zeichnet) ist universell einsetzbar, er pendelt ja irgendwo zwischen Death und Black Metal, aber bei The Monist zeigt er dass er auch Brutal Death Metal kann. Gleichzeitig sind auch die elektronisch verzerrten Choräle wieder dabei und zu guter Letzt wird noch eine Schaufel Jazz draufgepackt. Herrlich entspannend und vorwärtstreibend zugleich.
Der Titeltrack ballert freudig nach vorne wie ein futuristisches Maschinengewehr und nehmen die letzten Ängste von jenen, die befürchtet haben, dass die Band im Laufe der Zeit an Härte verlieren könnte. Nichtsdestotrotz haben viele der Songs sehr gefühlvolle Momente die nicht nur mit Gitarrengeklimper zu dem werden, sondern auch durch das allzeit präsente, sehr warme, Bassspiel.
Nächster Paukenschlag ist Ode to the sun. Walzt wie Bolt Thrower, bläst wie späte Gorefest und ist majestätisch wie eine Oper. Tatsächlich ist auf dem Album kein schlechter Song, keiner der langweilt und keiner der bei mir nicht zündet. Perpetual Infinity weißt Ähnlichkeiten mit Death auf und Weltseele ist ein Meisterwerk im Meisterwerk. Das 15-Minuten-Epos ist so stark, es sollte einen Film geben, dessen Soundtrack dieses Lied ist, gelingt es den Jungs doch tatsächlich Orchester und Blastbeat perfekt zu kombinieren ohne dass es auch nur einmal unpassend, langweilig oder überladen klingt. Absolut monumental.
The origin of primal expression ist dann ein Intrumental komplett ohne Schlagzeug, dass das Album schön ausklingen lässt und Zeit gibt, wieder ein bisschen runterzukommen, nach dem Höhenflug, den man gerade erlebt hat.

Fazit:
Dass sich die Band mit Album Nr. 4 nochmal steigern können hätte ich nicht gedacht. Schon die Vorgängeralben waren Musik unvergleichbarer Qualität, aber auf AKRÓASIS haben OBSCURA vom Songwriting her nochmal zugelegt. Zudem diese Ausnahmemusiker auf jeder Position und eine Produktion wie ich sie besser kaum kenne. Defintiv ein Album was unter die besten des Jahres kommen wird. Kaufen!

Bewertung: 10 von 10 Punkten



OBSCURA - "Akroasis" (Official Music Video) von RelapseRecords

Donnerstag, 18. Februar 2016

Demos, EPs & Co.: Nefirum - Prelude to the cataclysm (EP, Black Metal)

Veröffentlicht: 01.11.2015

Da ja kleinere Veröffentlichungen am Anfang von Bandkarrieren essenziell für Band und Untergrundnerds sind, wird dem hier jetzt der wohlverdiente Platz eingeräumt.


NEFIRUM aus Kansas City waren eine erfreuliche Überraschung für mich. In einer Gegend, in der hauptsächlich Brutal Death Metal zum Besten gegeben wird hat die Band live alles geboten, was eine Black Metal Show braucht: Kalter Schwarzmetall mit Unwohlfühlfaktor, Leichenschminke, keine Emotionen außer Hass und ein sehr kleines Publikum, das allerhöchstens mal zustimmend nickt, sich sonst aber nicht anmerken lässt, dass es das gleiche empfindet wie die Band. Top. Da war klar, dass ich deren EP brauche bevor alle 100 Kopien verkauft sind und die Band damit dann quasi dem Mainstream zuzurechnen ist. Da sich die Scheibe zu dem Zeitpunkt aber noch 2 Wochen vor dem Veröffentlichungstermin befand und die Band selber auch noch keine greifbaren Versionen besaß, musste ich dann wohl notgedrungen zu späterem Zeitpunkt aus der Heimat ordern. Auf den physikalischen Tonträger warte ich immer noch, aber Bandcamp liefert ja zum Glück die digitale Version (inkl. Cover!) gleich mit. Toll, was es heutzutage alles gibt.

Der Grund, warum ich trotzdem meinen Kommentar dazu abgebe, obwohl ich noch keine CD habe, ist einfach der, dass die EP rundum gut ist. Man merkt sofort, dass die Jungs viel Watain und Marduk gehört haben und auch sonst (schwedischem) Black Metal nicht abgeneigt sind. Eine rohe Produktion auf der trotzdem alle Instrumente klar rauszuhören sind und ein Sänger der skandinavischen Vorbildern nichts nachsteht. Im Grunde machen sie das, was ich bei vielen hiesigen Bands vermisse: Authentischer Black Metal mit wiedererkennbaren Songs. Das einzige was noch zur vollen Punktzahl fehlt wäre ein Rhythmus-/Lead-Gitarrenprinzip, dass sich bei zwei Klampfen ja irgendwie anbietet. Der Mangel dessen tut der Musik jedoch keinen Abbruch und die Band hat ja bis auf ein digitales Demo zuvor auch zuvor noch nichts veröffentlicht. Luft nach oben gibt es ja fast immer.

Ansonsten bleibt nur zu hoffen, dass NEFIRUM bald ein komplettes Album veröffentlichen. Bis dahin bleibt mein Anspieltipp für Undergroundfans PRELUDE TO THE CATAKLYSM.

Bewertung: 9 von 10 Punkten

>Nefirum auf Bandcamp anhören<

Donnerstag, 4. Februar 2016

Aktuelle Alben: Master - An Epiphany Of Hate (Death Metal)

Veröffentlicht seit: 29.01.2016

MASTER sind ja gewissermaßen die Motörhead des Death Metal: Fester Sound, keine Experimente, Kultfigur an Bass und Mikro sowie ordentlich Rock'n'Roll und Eat-the-rich-Attitüde.
Und da, meiner Meinung nach, Paul Speckmann damals nichts besseres hätte tun können, als nach Tschechien auszuwandern und die Band von dort aus mit Zdeněk (dr.) und Alex (g.) weiterzubetreiben, erfreut es mich immer wieder, wie konstant und vor allem konstant gut MASTER uns Alben schönsten Todesstahls servieren. Seit "Spirit of the West" gibt es eh nur noch drei Arten von Master Alben: gute, sehr gute und exzellente (also 9, 9.5 oder 10 von 10 Punkten). So auch diesmal.

Die ersten drei Tracks sind alles zukünftige Live Brecher: Subdue the politician kommt mit schöner Melodie im Eröffnungsriff und zeigt sofort, dass es weitergeht wie immer. Bäm!
Fiction soon becomes reality ist stimmlich so abgefahren, dass man sich fragt ob der Meister bei den Aufnahmen vielleicht strackevoll war, denn er kotzt und lallt so unverständlich ins Mikro, dass man ohne Text in der Hand kein Wort versteht. Tolles Lied, auch dank der Hooklines im Refrain.
So gehts munter weiter und der erste nur mittelmäßige Track ist Nr. 5, Just take my right arm, was dann aber direkt danach mit dem großartigen Titelsong wieder ausgeglichen wird. Auch It's clearly eden und The people of the damned zünden sofort, wobei letzterer mit den eröffnenden, wabernden Gitarren noch eine leichte psychedelische Note versprüht. Für MASTER-Verhältnisse jedenfalls. Senses all will be controlled ist nochmal ein kleines Füllerchen und danach endet die normale Version des Albums mit Red Alert, das nochmal ordentlich den Kopf nicken lässt und extrem vor sich her treibt.

Diese Seite wäre allerdings nicht 'whorship' genug, wenn sich der Autor mit der normalen Version des Albums begnügt hätte und so komme ich dann in den Genuß der beiden (noch) unbetitelten Bonustracks, die definitiv den Kauf der limitierten Edition wert sind. Nr. 11 ist mit ohrwurmartiger Melodie und jede Menge Groove ausgestattet, Nr. 12 hat so ein bisschen was punkiges, nur eingängiger und im Gedächtnis langlebiger.

Insgesamt gibt es für mich nur zu bemängeln, dass das Schlagzeug nicht besonders abwechslungsreich ist, was zwar oft dem Songwriting geschuldet ist, aber von Herrn Pradlovský auch trotzdem schon mal besser gelöst wurde (siehe Titeltrack auf "Slaves to Society" von 2007).

Fazit: Auch wenn AN EPIPHANY OF HATE nicht bei jedem in der ersten Runde zünden wird, ist es ein Pflichtkauf für MASTER Fans und eine dringende Kaufempfehlung an alle anderen Death Metal Jünger. Es ist kein neues "Spirit of the West" oder bereits erwähntes "Slaves..." aber wirklich ein sehr gutes(!) MASTER Album.

9,5 von 10 Punkten.


 

Sonntag, 31. Januar 2016

Aktuelle Alben: Abbath - Abbath (Black Metal)


Veröffentlicht: 22.01./29.01.2016

Als großer Fan von vielen Immortal Alben und auch von ABBATHs Soloprojekt "I" musste ich natürlich hören wie es nach dem Streit zwischen den Beteiligten weitergeht. Nun liegt das Album auf dem Schreibtisch und abgesehen von dem recht einfallslosen Band- sowie Albumnamen und dem dazugehörigen Cover werde ich erstmal nicht enttäuscht. Der Opener To War! kommt schneller, treibender daher, als ich erwartet hätte, die typischen Gitarrenslides, die man von Herrn Eikemo bereits kennt sind auch wieder vorhanden und stimmlich ist auch alles wie gewohnt. Sehr schön.

Winterbane ist stampfend, energiegeladen,  zeitweilig auch ein bisschen thrashig.
Ashes of the Damend hat überraschenderweise schöne Keyboard Steigerungen und ein bisschen mehr Kälte sowie tolle Rhythmuswechsel. Der Höhepunkt bisher. Leider sackt es danach stark ab und Ocean of Wounds ist nur ein mittelmäßiger Lückenfüller. Gewohntes Doublebasstempo und Standartriffs.
Das vorab als Single veröffentliche Count the dead ist schon wieder besser, ich erkenne tatsächlich neben dem Rhythmus schön untermalende Melodien, die ich schon sehnsüchtig erwartet habe. Jetzt zeigt der Mann seine Qualitäten und ebenso, wie tief der klassische Heavy Metal in ihm verwurzelt ist.
Mit Fenrir hunts wird das Tempo angezogen, einer der schnellen Tracks auf dem Album, und man steigert sich zu Ende in einen echten Nackenbrecher hinein. Root of the Mountain ist träge und zieht sich sehr in die Länge, hat zwar ein paar nette Bassläufe, ist aber sonst das anspruchloseste Stück der Scheibe.
Endless ist nochmal der Fuß auf dem Gaspedal aber mehr auch nicht. Das nicht gelistete Priest Cover Riding on the wind ist musikalisch hübsch umgesetzt auch wenn, meiner Meinung nach, der Snaredrumsound so gar nicht zu dem Stück passt und der Rabengesang von ABBATH nicht unbedingt für Rob Halford Immitationen ausgelegt ist.
Über das ebenfalls nicht in der Liste erwähnte Nebular Ravens Winter möchte ich tatsächlich nicht urteilen. Klar, die Aufnahme ist moderner produziert, aber ob und warum man Stücke nochmal aufnehmen muss ist mir ein wenig unklar. Für alle Verwirrten: Das Lied erschien bereits auf Blizzard Beasts von Immortal im Jahr 1997.

Fazit: Das Album ist nicht die (von mir) langerwartete Fortsetzung von At the Heart of Winter oder Between two worlds, aber es macht klar, dass es für den verblieben Rest von Immortal schwer wird adäquaten Ersatz am Mikrofon zu finden. Fans könnten sich durchaus zu ABBATH hinwenden, zumal dieser das Album veröffentlicht hat, bevor neue Sachen von Immortal auf dem Markt sind. Noch sind die Erwartungen nicht erfüllt und es ist nach oben noch einiges offen. ABBATH hat leider den Nachteil, dass seine Songs rhythmisch nicht besonders abwechslungsreich sind. Andererseits ist mit King(ov Hell) ein guter Musiker mit an Bord, der sich in Zukunft vielleicht mehr einbringen kann und der Gesamtstil von ABBATH ist einfach so unverwechselbar und gut, dass das Album trotz Schwächen noch Spaß machen kann.

Bewertung: 6,5 von 10 Punkten

Aktuelle Alben: Abbath - Abbath


Als sich im Jahre 1990 Klein-Olve und Klein-Harald unter dem Namen IMMORTAL zusammentaten, hatten beide wahrscheinlich nicht auf dem Schirm, dass sie Alben wie BATTLES IN THE NORTH, AT THE HEART OF WINTER und SONS OF NORTHERN DARKNESS in den Äther schicken und dadurch unter ihren Künstlernamen Abbath und Demonaz weltweite Bekanntheit erreichen. Gewiss haben sie auch nicht geahnt, dass sich der Name ihrer Band prophetisch bewahrheiten wird, denn Immortal sind im letzten Jahr bereits zum zweiten Mal gestorben und wieder auferstanden, dieses Mal allerdings ohne den Frontmann mit dem sexy Hüftschwung eines panisch flüchtenden Krebstieres. Der macht nämlich unter dem Namen ABBATH weiter, und während Demonaz und Horgh bislang nur ein öffentliches Statement vorweisen können, in dem sie mit Dreck um sich schmeißen und eine Platte ankündigen, ist Abbath mit einer LP und dem Verlust von zwei Bandmitgliedern schon wieder voll im Business angekommen. 


ABBATHs erstes Release ist aus verschiedenen Gründen interessant:
Klar wollen die Tratschtanten unter uns wissen, wer das Arschloch und wer die Seele von IMMORTAL ist. Wirklich spannend ist aber, wie dieser Kautz mit der künstlerischen Freiheit umgeht, die er durch das Ablegen der IMMORTAL - Trademark gewonnen hat. Mit seinem vorangegangenen Soloprojekt I und seiner Motorhead Coverband BÖMBERS hat Abbath ja bereits gezeigt, dass er lieber Harley fährt als Bäume zu knutschen.
Der erste Track macht in aller Deutlichkeit klar, dass hier keine IMMORTAL-Retorte gebacken wird, sondern dass Abbath darauf verzichtet die alten Tradenmarks zu rekonstruieren, um den "Whodunit"-Wettbewerb zu gewinnen. To War! ist eine zackige Groovewalze und in Blashyrkh gibt es keine Panzer. Hört's Euch an und ihr versteht, was ich meine. Mit Black Metal hat das noch wenig zu tun, denn das Schlagzeug ist genauso aufdringlich produziert wie das Album an sich. Über diesen Handel ging dann auch der charakteristische Gitarrensound Abbaths flöten und klingt nun nach einem modernen Highgain-Amp, der zwar kompakt aus den Boxen schießt, aber auch enttäuschend generisch ist. Dem Albumopener kommt das zugute, denn der verwandelt sich schnell in einen Kriegsschrei, der unter schneidenden Gitarren hysterisch nach vorne geblastet wird.


Dann beginnt aber auch schon die Durststrecke des Albums. Winterbane zieht tanzbar und höhepunktslos an einem vorbei, während Ashes of the Damned noch durch bescheuerte Synthie-Fanfaren auf sich aufmerksam machen kann und sich Abbaths idiotischer Humor endlich auch mal musikalisch artikuliert. Oceans of Wounds ist dann der absolute Tiefpunkt des Albums, der permanent versucht, Spannung aufzubauen, nur um dann wieder auf einen ätzenden Grunge-Chorus zurückzufallen. Count the Dead und Fenrir Hunts wiederum sind solide Nummern, mit denen er dem IMMORTAL Material sehr nahe kommt, aber bei denen auch ersichtlich wird, dass BENIGHTED-Drummer Kevin Foley zwar kein Problem mit hohen Geschwindigkeiten hat, aber bei weitem nicht über die verspielte Raffinesse von Horgh verfügt.


Mein persönlicher Höhepunkt ist Root of the Mountain, eine angeschwärzte Hardrock Nummer bei der so ziemlich alles passt. Das ist vor allem dem Bassspiel von King Ov Hell zu verdanken, der die Strophe mit Akkorden anfettet und tieffrequent in dein Stammhirn schiebt oder ein doch recht generisches Hardrockriff mit einem springenden Basslauf veredelt. Endless hingegen baut dann nochmal richtig Geschwindigkeit auf und mündet als unspektakuläre Thrash-Nummer in einem episch aufgeladenen Outro mit klassischen IMMORTAL Harmonien.


Fazit: ABBATH springt mit einem soliden Album in die Bresche, das in Sound und Songwriting mehr mit I als mit Immortal zu tun hat und vereinzelnd mit ein paar starken Songs aufwartet. Hier wird erfreulicherweise deutlich, dass Abbath noch lange nicht an dem Punkt in seiner Karriere angelangt ist, an dem er seinen Stil zu rekonstruieren versucht, sondern dass der Lenker seiner Harley immer noch nach vorne ausgerichtet ist. 

Bewertung:  7,5 / 10

Freitag, 22. Januar 2016

Konzertbericht: Tribulation, Transgender, Trieblehre und der Suff.


The Wailing Dead Tour im Knust (Hamburg)
Das erste Live-Review dieses Blogs ist zugleich auch ein Eingeständnis, denn ein objektiver Konzertbericht bedarf einer gewissen Nüchternheit,  und das ist hier nicht im Bezug auf die Sprache zu verstehen. Ich war halt schon vor der ersten Band bei meinem elften Bier, aber das verbuchen wir hier mal unter "Atmosphäre" und können mit Bestimmtheit sagen, dass die echt klasse war.
Wir befinden uns in Hamburg, genauer gesagt im Knust, einer weitläufigen und urgemütlichen Konzertkneipe  nahe der Feldstraße. Die zentrale Lage ist allerdings nicht der Grund, weshalb die Bude schon vor der ersten Band rappelst voll ist, viele kamen aus dem Hamburger Umland extra hierhin, um das zurecht (und auch von diesem Blog) stark gehypte dritte Album der Schwedenkombo TRIBULATION live erleben zu dürfen. VAMPIRE eröffnen den Abend also vor versammeltem Publikum, schroten erstmal drauf los und kommen auch verdammt gut damit an. Freud lag falsch, es gibt nur 2 Grundtriebe: Libido und Blackthrash.Während die Saitenfraktion allerdings eher undeutlich im Hintergrund wabbert, schiebt das Schlagzeug die Songs mit monströser Bassdrum und gigantischer Snare präzise nach vorne. Ich kann mir schon denken, welches Instrument beim Mischer im Keller steht. VAMPIRE profitieren wie keine andere Band des Abends von seinem Gusto und verfügen zudem über einen fitten Sänger mit überzeugender Bühnenpräsenz. Die Band will ich noch öfter sehen.
Ganz im Gegensatz zu GRAVE PLEASURES. Während ich mich draußen an einer Zigarette festhalte und vor Tribulationfans der ersten Stunde das neue Album verteidige, geben sich auf der Bühne gefühlt die Sportfreunde Stiller und Placebo die Hand. Soll diese Band also den Spagat für Fans der späten Stunde leisten? Ein Typ mit Backenbart fragt mich: "Grave Pleasures oder Beastmilk??" "Nein."
TRIBULATION betreten die Bühne und eröffnen mit "Melancholia", der als Videoauskopplung wohl bei allen am präsentesten ist. Das macht sich bezahlt und ist ein dickes "Hallo" an alle, die jetzt vor allem die Songs der CHILDREN OF THE NIGHT erwarten. Obwohl das Schlagzeug immernoch zu präsent ist und die Snare den Großteil der filigranen Gitarrenarbeit übertönt und trotz der kaum hörbaren Leadgitarre in Solomomenten machen die Schweden all diese Unstimmigkeiten mit absolut tightem Spiel und einer sleazigen, extrovertierten Bühnenshow wett. Wer durch die androgynen Bandfotos bereits im sexuellen Duktus seiner Szene irritiert wurde hat es hier schwer, denn die Jungs sehen aus wie eine Hair-Metal Band, die nach ihrem Zenit durch Angel Dust zur Gruftiszene gefunden hat. TRIBULATION überschreiten nicht nur Genre-, sondern auch Gendergrenzen, was sich am deutlichen am Rhythmusgitarristen zeigt, der sich lassiv in feminem Kleidungsstil über die Bühne räckelt und die fauchende Hexe mimt. Vereinzelnd lassen sich auch Songs der älteren Alben in der Setlist wiederfinden, aber angesichts des Sounds, den die Schweden mit ihren Surfbrettgroßen Halbresonanzgitarren fahren klingen sie nicht so, wie es ihnen gut getan hätte. Aber wegen sowas fang ich jetzt nicht an zu meckern. Tribulation haben meine Erwartungen erfüllt und Vampire hab ich ab jetzt auf dem Schirm. Solltet Ihr auch!




Sonntag, 17. Januar 2016

Aktuelle Alben: Fifth to Infinity - Omnipotent Transdimensional Soulfire (Black/Death)

Veröffentlicht seit: 06.12.2015/08.01.2016



Der erste Review Eintrag aktueller Alben ist nun die schwedische Band FIFTH TO INFINITY, die zwar seit 1997 existiert, ihr hier vorgestelltes Debüt aber erst 19 Jahre nach Gründung veröffentlicht. Das genaue Veröffentlichungsdatum schwankt von Quelle zu Quelle zwischen dem 6.12.2015 und dem 8.1.2016.
Bei der Band handelt es sich um Ex-Opeth Schlagzeuger Martin Lopez und den hierzulande noch recht unbekannten Musikern David Lindh (Bass) und Nader Jonas Reslan (Gitarre/Gesang). Dass das Debüt erst nach so langer Zeit erscheint und nicht ,wie geplant, schon im Jahr 2000 veröffentlicht werden konnte, liegt daran, dass 2001, bevor alle Aufnahmen im Kasten waren, die Band auf Eis gelegt wurde. 2007 entschied man sich einen weiteren Anlauf zu wagen und jetzt ist der erste Tonträger kaufbar, auch wenn die Band 2009 schon vorab die Rohfassungen einiger Songs veröffentlicht hat.
Das Endergebnis kann sich sehen lassen: Ein schleppend kaltes Album mit glasklarer Produktion, eingespielt von Top-Musikern. Ein schönes Beispiel für schwedischen Black Metal mit leichter Death Metal Schlagseite. Das Intro "Vindar från de osaligas ängder" ist zwar mit über 4 Minuten für meinen Geschmack ein bisschen zu lang, aber trotzdem ein schöner Spannungsaufbau. Wenn dann mit "Reapers Wake" das erste Mal der Gesang ertönt fragt man sich warum Jonas Reslan noch nicht bekannter ist, denn diese Stimme ist einfach nur steinkalt und rau. Der Mann klingt, als hätte er Schleifpapier in der Kehle und von tiefen Death Metal Growls bis zu eiskaltem Black Metal Gekeife ist bei ihm nur ein kleiner Schritt. Können tut er beides, oft ist es aber eine goldene Mitte. Beeindruckend.
In Songs wie "Masters Unbound", "Death shall wake us all" und "Secrets of the Bottom" erinnern viele Melodien an Bands wie Dissection oder Sacramentum ohne jedoch jemals in Blastbeat-Tempo überzugehen. Das ganze Album ist eher im Midtempo Bereich gehalten und die schnellen Passagen sind von präziser Doublebass untermalt, was zum Gesamtstil des Albums aber sehr gut passt. So unterscheidet es sich von vielen anden Black Metal Alben, wo möglichst viele Blastbeats offenbar als Qualitätsmerkmal angesehen werden. Hier tut der Mangel derer gut, denn auf OMNIPOTENT TRANSDIMENSIONAL SOULFIRE regieren die getragenen, leicht melancholischen Melodien, die durch zuviel Schlagzeug unter Umständen untergegangen wären.  
"The Promise of Abyss" zeigt dann trotzdem sehr gut, dass Martin Lopez immer noch ein absoluter Könner seines Fachs ist und warum er so lange bei Opeth die Kessel verdreschen durfte, bis das Album schließlich mit dem großartigen "The Blessings of Annihilation" endet.
Dass das Ganze eine Spielzeit von 55:55min hat, ist sicher kein Zufall und aller Wahrscheinlichkeit nach dem Bandnamen geschuldet. Dennoch muss ich sagen, dass 10 Minuten weniger dem Album gut getan hätten, denn gerade zu Ende hin kann sich durchaus ein Mangel an Aufmerksamkeit breit machen, da die Songs eine leichte Eintönigkeit vorweisen. Insgesamt ein Album, dass eher von seiner Gesamtstimmung lebt, als von einzelnen Songs. Für Fans von schwedischem BM trotzdem ein Kauftipp.

Bewertung: 7 von 10 Punkten