Montag, 22. August 2016

Aktuelle Alben: Demonbreed - Where gods come to die (Death Metal)

Veröffentlicht: 22.07.2016



Das ist sie also, die neue Schnittmenge aus Mitgliedern von Milking the Goatmachine und ehemalige Lay Down Rotten. Wer die beiden Bands kennt erwartet nicht so viel, denn beide Bands sind/waren gut, aber zur höchsten Liga hat es nie gereicht. Anders das Potenzial von DEMONBREED: Nach dem Intro, benannt nach dem Albumtitel, wird mit Vultures in the blood red sky erstmal klargestellt, wie der Hase läuft. Tonnenschwerer Death Metal der an beste Zeiten von Bloodbath erinnert. Es klingt als hätte da jemand deren erstes Album SEHR oft gehört und beschlossen auch mal 'ne Dan Swanö Produktion zu machen. Dabei ist der erste Song noch recht harmlos, weil nicht besonders eingängig. A thousand suns will rise ist da schon besser, hier wird mit langsamen Passagen und Midtempo-Doublebass Spannung aufgebaut, die dann nach akustischem Intermezzo stampfend entladen wird.
Summon the undead finde ich dann auch wieder etwas irrelevant und eintönig, aber danach bekomme ich immerhin Lust, den Refrain bei Revenge in the afterlife mitzugrowlen.
Richtig gut wird das Album dann erst beim 5. Lied Empty Grave. Für den Song hätten Dismember vermutlich getötet. Hier zündet die alte Schwedenschule steil, Melodie von Kettensägen, die sich irgendwo auf dem Friedhof in verottete Bäume fressen. Jetzt ist der Funke übergeprungen.
Red Countess erinnert an "Ways to the grave" und Perish hat ein modernes Element drin, nämlich die schnelle 16tel  Gitarrenmelodie, getragen von Midtempo-Rhythmusarbeit. Eine leichte Black Metal Note ist zu erkennen, aber das macht den Song erst gut und lässt ihn im Wiedererkennungswert steigen.
Barren Wastelands hat erneut großartige Riffs anzubieten und würde das Schlagzeug mehr mit eben jenen gehen könnte man hier einen perfekten Song drauß machen.
Folded Hands spielt mit Pausen bei der Gitarrenarbeit und Rhythmuswechsel, was die Stimmgewalt von Sänger Jost sehr schön betont.
Das anschließende Cover von Edge of Sanity's Blood Colored ist das i-Tüpfelchen auf dem Album: 1a umgesetzt und der Klargesang ist so nah am Original, das kann nur der Meister persönlich gesungen haben.
Den sauberen Abgang beschert Seed of ferocity, dass ein wenig an Necrophagia erinnert und einen würdigen Schlusspunkt setzt. 45 Minuten Spielzeit sind auch eine gute Länge für ein Album.

Fazit: Dieses Album belohnt die jahrelange Arbeit der Jungs, wenn man weiß, was sie sonst so machen und gemacht haben. Hoffentlich ist damit der Erfolg verbunden, den eine Band dieses Kalibers verdient hat. Außerdem hat man mit Coversong und fetter Produktion großen Tribut an Dan Swanö gezollt. Alles in allem ein Album, dass man als Death Metal Maniac haben muss, auch wenn die ersten 3-4 Songs im Gesamtbild ziemlich unbedeutend sind.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.


Dienstag, 9. August 2016

Aktuelle Alben: Blizzen - Genesis Reversed (Heavy Metal)

Veröffentlicht: 27.05.2016

Ja, ich weiß, ganz so aktuell ist das Album nicht mehr, aber aus zwei Gründen hat sich die Kritik daran verzögert: Erstes war mein Laptop einige Wochen lang kaputt und ich wollte nicht vom Handy aus schreiben, zweitens war ich mir nicht sicher, ob ich auf einem Blog, bei dem der Whorship-Faktor eine große Rolle spielt, allzu oft negative Kritiken schreiben sollte. Mir ist auch bewusst, dass ich jetzt dem Post dadurch vorweg greife, aber es muss ja mal gesagt werden. Letztendlich habe ich mich entschieden, den Post zu schreiben weil meine Erwartungshaltung an das Album doch hoch war und ich mit einem positiven Ergebnis gerechnet habe.

Zum Album an sich: BLIZZEN haben ja letzes Jahr mit einer ebenso guten wie vielbeachteten EP namens Time Machine auf sich aufmerksam gemacht. Und da ich so begeistert war, mal wieder authentischen Heavy Metal zu hören, habe ich das Debütalbum natürlich auch gekauft. Aber schon beim ersten Song mit Gesang Trumpets Of The Gods kommt die Ernüchterung: BLIZZEN sind sehr viel poppiger und deutlich langsamer geworden. Alle neuen Songs sind extrem seicht ausgefallen, das beste Stück ist eine Neuaufnahme von Gone Wild, das bereits auf zuvor erwähnter EP enthalten war. Schade, insgesamt fehlt das Feuer.

Fazit: Früher verdiente die Genre-Bezeichnung der Band noch das Doppel von Heavy-/Speed Metal. Vom Speed ist leider nicht mehr viel geblieben. Der Gesang von Frontmann Stecki ist gut, aber seine Stimme hat noch zu wenig Volumen, zu wenig Stabilität, da ist noch viel Raum nach oben. Pluspunkte gibt es für die Produktion, die qualitativ gut und nicht zu überladen ist, aber das hebt die Songs im Gesamtniveau leider auch nicht. Fans von seichtem Heavy Metal mag die Scheibe gefallen, aber mir ist das zu viel "easy listening".

Bewertung: 3,5 von 10 Punkten


Konzertbericht: Nord Open Air (Samstag)

Samstag, 30. Juli 2016, Essen

So, nach langer Abstinenz ist nun das erforderlich technische Gerät wieder vorhanden um vernünftig schreiben zu können.

Nachträglich gibt nun den Eindruck vom gratis Open Air des Café Nord in Essen:


Aufgrund der Bandauswahl war der Samstag für mich der einzig besuchenswerte Tag des Festivals. Dieser Samstag began für mich mit dem nebenbei-Hören von MISERY INDEX, während ein Auftakt-Bier getrunken wurde. Klang gut, war aber zuende bevor ich den Platz vor der Bühne erreichen konnte.

Danach: BLIKSEM aus Belgien. Während ich noch damit beschäftigt war, Plakate aufzuhängen, war die Band um Frontfrau Peggy Meeussen schon dabei die Menge anzuheizen, der Platz war auch schon gut gefüllt, aber mit Ihrem 08/15 Thrash haben sie mich keine Sekunde bedauern lassen, dass ich die Band nur wenige Momente lang zu Gesicht bekam.

Danach wurde es noch schlimmer, DOUBLE CRUSH SYNDROM sind Augenkrebs vom feinsten. Netzhemden, Nagellack und schwarz geschminkte Augen waren auch schon bei den Misfits und sämtlichen Black Metal Bands nicht schön anzusehen. Metal spielt die Band irgendwie auch nicht, mehr eine Mischung aus Hard Rock und Goth-Punk. Das ehemalige Engagement bei Sodom von Sänger Andy Brings scheint bei DOUBLE CRUSH SYNDROME das einzige Auswahlkriterium der Veranstalter gewesen zu sein. Ganz furchtbar und super langweilig.

ABORTED ist die erste Band, die meine volle Aufmerksamkeit hat und das zu recht. Auf Platte sind sie mir immer noch zu langweilig, aber live macht die Bande einfach Spaß. Feinster Death Metal, arschtight auf die zwölf. Man muss die Songs nicht kennen um dazu abgehen zu können, man geht einfach mit der Musik und lässt dem Rhythmusgefühl seinen Lauf.
Weil das körperliche Wohlbefinden auch wichtig ist, ist danach wieder Bier trinken angesagt und ein kleines Bedauern setzt ein, dass VADER und ARMORED SAINT nicht gesehen werden, aber aus der Ferne hat es sich zumindest gut angehört.

Weil der Platz aufgrund des fehlenden Eintritts voller Menschen ist, verhängt die Security zwischendurch immer wieder mal Einlassstopps, also machen wir uns sicherheitshalber schon vor DEVILDRIVER auf dem Weg ins Festivalinnere und müssen feststellen, dass die Urinale allesamt übergelaufen sind und die Straße vor dem Einlass furchtbar danach stinkt. Selten kam es vor, dass ich den Rauchern um mich herum so dankbar war. Die Kalifornier DEVILDRIVER liefern schließlich eine, für mich überraschend, gute Show ab und beweisen damit, dass sie nicht in irgendwelche Schubladen der modernen Art gesteckt werden können, denn in ihrer Musik finden sich Elemente aller Death Metal Perioden.

Der Hauptgrund dieses Festival zu besuchen lässt ein wenig auf sich warten, aber schließlich ist es soweit: SACRED REICH betreten die Bühne und lassen mit einem Set durch alle Alben quasi keine Wünsche offen. Auch wenn Sänger Phil Rind sehr emotionale Anfälle hat ("Umarmt alle mal bitte die Person neben Euch!") und auch nicht mehr dünner wird, ist die Band doch immer noch eine der besten Thrash Combos des Planeten. Die Stimme klingt immer noch wie vor 25 Jahren und das Zusammenspiel der Band ist beispielhaft. Neben den vielen Klassikern (The American Way, Crimes against humanity, Who's to blame, Surf Nicaragua) wird auch wieder die Sabbath-Coverversion von War Pigs zum besten gegeben. Sehr schön, eine der wenigen Bands, die es besser macht als das Original (ich weiß: Blasphemie. Mir aber egal.). Ein Auftritt, der alle Erwartungen erfüllt.

Fazit: Die Location (zwischen Kirche und Clubs) und die Bandauswahl aber auch der Sound und die Bierpreise, im Grunde stimmt an diesem Tag alles, bis auch die eine Sache, die die Veranstalter nächstes Mal besser machen können: Eintritt nehmen. Aufgrund der Lage (zentral in der Innenstadt) schwärmt soviel Metalfremdes Publikum in das Gelände, dass man schon befürchten musste die favorisierten Bands zu verpassen, da die Security (sehr freundlich übrigens) zwischenzeitlich die Menschenmenge im Inneren begrenzen musste. Wenn man dann zwischen Muttis mit Kaffeekränzchen Outfit und Malle-Besuchern im Hawaiihemd steht und merkt, dass alle "nur mal gucken" wollen, kriegt man schon ein wenig Wut im Bauch, weil man weiß, dass diese Menschen den echten Fans, die teilweise hunderte Kilometer für die Bands gefahren sind, den Platz bei ihren Lieblingsbands versperren. 10 Euro Eintritt wären schon genug um die ganzen Schaulustigen fern zu halten. Ansonsten war es eine tolle Veranstaltung und man kann sich bei allen Verantwortlichen nur dafür bedanken.

Mittwoch, 18. Mai 2016

Aktuelle Alben: Sun Worship - Pale Dawn (Black Metal)

Veröffentlicht: 06.05.2016

Hier kommt die nächste Berliner Black Metal Band, die irgendwie der Sonne was abgewinnen kann. Allerdings ist das zusammenhanglos mit dem letzten Post. Leider auch musikalisch, weshalb dieser Text recht kurz ausfällt. Sun Worship machen nur optisch Hipster-BM, die Mukke ist bei geschlossenen Augen nicht als neumodisches Gezücht zu identifizieren. Highspeed Geballer mit Blastbeat und feinen Nuancen von Epic in den Schrammelriffs. Das ist aber auch schon alles was es an positiven Dingen zu erwähnen gibt, weil jeder Song so klingt. Rhythmisch sind so gut wie keine Variationen vorhanden, Breaks gibt es nur sporadisch. Fast das ganze Album lang wird das Gaspedal durchgedrückt und auf diese Weise ein Stück Musik ruiniert, was großes Potenzial gehabt hätte. So ist "Pale Dawn" leider nicht wesentlich anders als das Debüt "Elder Giants". Doch wo diese Mali auf dem Erstling noch verzeihbar waren und zuvor großartige Cover-Artworks einen Kauf rechtfertigten, ist nun die mangelnde Entwicklung der Grund von einer Kaufempfehlung abzusehen.
Um das klarzustellen: Schlecht ist das Album nicht, doch um SUN WORSHIP zu hören und über Live-Besuche nachzudenken reicht eines der beiden Alben aus. Den Sound der Band an sich mag ich, aber die Aufmerksamkeit lässt bei den Songs doch recht schnell nach.

Bewertung: 5 von 10 Punkten


Freitag, 6. Mai 2016

Aktuelle Alben: Sunshine & Lollipops - Empty (always look on the dull side) [Black Metal/Crust Punk]

Veröffentlicht: 29.02.2016

Wenn man eine Feier veranstaltet, auf der Bands spielen, sollte man die Bands auch grob kennen. Das war der Anlass mir SUNSHINE & LOLLIPOPS aus Berlin zu Gemüte zu führen. Die Jungs aus Berlin, Alex Ithymia (g./b./v.) und Veenus Christ (dr.), verbinden Black Metal mit Crust und sprechen allerlei Klischeethemen  an, sind aber nicht unbedingt von der ernsten Sorte Band. Wer mit Nachthemd und Corpsepaint lachend am Strand posiert, hat auf jeden Fall Humor. Das jener nicht unbedingt ein Ausschlusskriterium für guten Schwarzmetall ist, beweisen sie auf musikalische Weise.

Beginnend mit gezupften Gitarrenintro ist  "Empty (always look on the dull side)" ein Album, das man so schnell nicht aus der Anlage kriegt. Happiness is a mental defect ist wunderbar schwarz und erinnert an Nattefrost, nur weniger räudig. Die Melodien klingen wie aus Skandinavien, die Drums bleiben aber immer ein wenig punk. Hier wird eine ziemlich unvorhersehbare Songstruktur gespielt die durch die Rhythmuswechsel den Song immer kurzweilig halten. Mit lauter feinen Zwischentönen (z.B. Destruction-ähnliche Screams) merkt man, das hier genreunabhängig zu Werke gegangen wurde. Auch die nächsten Stücke haben ordentlich Kruste und weisen sogar Hardcore Elemente auf. Allerdings nur im Ansatz, denn man entfernt sich nie so weit vom Black Metal, dass es in die Kategorie "undefinierbarer Metal" eingestuft werden kann.
Kuhglocke und Triolen machen Why speak when can shout erstmal zu einem musikalisch interessanten Fußklopfer, der dann in klassischen schwarzen Stahl mündet.
Are we having fun yet ist dann mit Thrashriffs angehaucht und erinnert ein wenig an Bands wie Absu oder Black Anvil.
Fast schon melancholisch geht es dagegen in Worst case scenario zu. Der Gesang ist jammernd, tragend-traurige Gitarren untermalen Basslinien, die auch von so mancher Hardrockband hätten kommen können.
Der titelgebende Song, der die Berliner nun endgültig als Monty Python Fans outet ist dann der schöne Höhepunkt dieser ungewöhnlich variablen Ausgeburt. Würde ich einen beklagenden Song schreiben wollen, würde ich ihn so klingen lassen. Die Steigerungen, die das Lied durchmacht sind das perfekte Element dafür. Dann der Abschluss: Das Leere hinterlassene Outro ...und alles wird Blut erzeugt das Gefühl noch nicht genug von der Band gehört zu haben.

Fazit: Dass Black Metal nicht immer bierernst ein muss um zu überzeugen, haben SUNSHINE & LOLLIPOPS wunderbar unter Beweis gestellt. Musikalisch deutlich besser als sehr viele der trven Fraktion unterhält die Band über die ganze Spielzeit. Hoffentlich gibt's davon in Zukunft mehr. Ein besseres Debütalbum habe ich lange nicht gehört.

Bewertung: 10 von 10 Punkten.

https://sunshineandlollipops.bandcamp.com/



Donnerstag, 28. April 2016

Konzertbericht: Kings of Black Metal (Samstag)

23.04.2016, Alsfeld, Hessenhalle


Das Kings of Black Metal verdiente seinen Namen dieses Mal wieder ein wenig mehr und nachdem das Lineup 2015 wenig Anlass zum Besuch in Alsfeld gab, war meine Wenigkeit dieses Jahr doch wieder geneigt sich in die Menge miesepetriger Gestalten zu begeben um herauszufinden, welche der Bands auch live zu Königen dieser Musik gezählt werden dürfen. Dass dieses Mal die Hessenhalle (anstelle der Stadthalle) als Ort der Veranstaltung herhalten darf ist positiv zu werten, denn die Parkplatzsituation ist dort, am Stadtrand von Alsfeld, deutlich besser und die Autobahnanbindung perfekt.

Negativ fiel als erstes der, vom Veranstalter nicht vermerkte (oder nur unzureichend erwähnte), stark erhöhte Abendkassenpreis auf. Statt der online beschriebenen 37,50€ sind hier 45€ fällig, was bei zwei Tickets den geplanten Preis von 75€ auf satte 90€ schnellen lässt. Wunderbar, schon war die Laune das erste Mal im Keller und damit quasi der perfekte Einstand für Black Metal. Alles Kalkül der  Veranstalter, möchte man meinen. Gehört zur Atmosphäre sozusagen. Haha.

Da einen ja bekanntermaßen nicht immer alle Bands interessieren und gerade bei dieser Spielart des Metal unglaublich viele "Poserbands" anzutreffen sind (diese variieren je nach Betrachter), gönne ich mir erstmal ein paar Bier und treffe dann erst zu THE RUINS OF BEVERAST ein. Da hat mir aber auch das halbe Set gereicht, denn bei aller Langsamkeit kam irgendwie doch keine Atmosphäre zustande, das ganze wirkte ein wenig eingeschlafen.

Aufgrund von der Anwesenheit vieler alter Bekannter und der deshalb aufgekommenen Freude (Ja, auf einem BM Konzert, tatsächlich!) mussten VALKYRIA leider ohne mich auskommen und die erste Hälfte des ARCHGOAT-Sets leider... äh, zum Glück auch. Die Finnen machen nämlich was sie am besten können: Rumpeln nach dem Motto "Stumpf ist Trumpf". Warum die Band von Vielen so hochgelobt wird ist mir seit Jahren unverständlich.

Weiter gehts denn mit MISTHYRMING aus Island. Das erste kleine Highlight des Abends, hat es doch auf Platte etwas gedauert, bis mir die Band zugänglich wurde. Die Jungs auf der Bühne zu sehen lässt dann aber sofort den Funken überspringen. Die Musik der Truppe klingt seltsam gepresst und unangenehm bedrückend. Da ist nichts episches oder fröhliches, die ganze Show erzeugt eine Art Beklemmung und lastet schwer auf dem Gemüt. Sehr schön.

Gespanntes Warten auf NARGAROTH ist danach angesagt, so manche Frage hat man sich schon oft gestellt. Wie wird die Show gestaltet? Welche Lieder werden gespielt? Welche Nulpen im Publikum werden Blödsinn verzapfen? Und vor allem: Wird Pokemon-Trainer Ash Schwachsinn von sich geben oder sich auf die Show konzentrieren? Ich muss sagen, ich war einmal mehr angenehm überrascht. NARGAROTH haben einfach alles richtig gemacht, was man tun kann, wenn man diese Band ist. Zwar waren die ersten Songs gesangstechnisch dank Maske nicht besonders gut zu verstehen, aber ansonsten gab es Black Metal ohne Schnörkel, keine Ansagen, guter Sound und die richtigen Lieder [Seven Beers are flowing to the liver ;-)]. Dazu kommt, dass der allzeit laufende, nervige Spielzeit-Countdown auf der Digitaluhr an der Seite gepflegt ignoriert wurde und als einziger Spruch die rhethorische Frage von René kam, wann man ihnen wohl den Saft abdrehen würde. Gar nicht! Drei Lieder überzogen und die Fans zufrieden gestellt. Respekt dafür.

Der nächste feiernswerte Act lässt sich nicht lange bitten: TAAKE wissen auch, wie man bei der Menge ankommt, nämlich mit einer guten Portion der rockigeren Songs aus ihrem Repertoire. Sieht Hoest als Enddreißiger in zivil immer noch nach Student aus, ist seine Erscheinung auf der Bühne umso imposanter: Der Mann hat einfach Charisma und hat die Menge spielend im Griff. Geile Stimmung, TAAKE spielen alle vorherigen Bands an die Wand. So muss Black Metal sein. Allerdings haben die Kerls aus Bergen nicht das letzte Wort an diesem Abend...

Was nun folgt ist ein wenig traurig und schön zugleich: DESASTER sind als letzte Band vielen Zuschauern offenbar nicht headlinerwürdig und müssen enttäuschenderweise vor halb so viel Publikum spielen wie die 3 Bands davor. Vielleicht liegt es am Thrash-Faktor oder der Tatsache, dass die Band zum Teil mit Kutten auf der Bühne steht (bunt, igitt!), aber definitiv nicht an der Qualität der Show. Diese Band ist im Grunde genau das, was der (trve) Fan immer predigt und erwartet: Originär, bodenständig, konstant. Die Truppe kann sich keinerlei Ausverkauf, Stilbruch oder Unglaubwürdigkeit vorwerfen. Im Grunde stimmt hier alles, auch die Musik ist großartig unterhaltend, kalt und ein schöner Schlag ins Gesicht, so wuchtig kommt der Sound bei den Verbliebenen an. Eine Klasse für sich und dabei sehr sympatisch agierende Kapelle. Nur Tyrants of the Netherworld hätten das Set noch perfekt gemacht...
Und an alle, die sich DESASTER bewusst nicht angeguckt haben: Ihr habt diese Band weder verdient noch verstanden. Schämt Euch! Ein besseres Beispiel einer Band, die stets Musik von der Szene für die Szene gemacht hat und sich trotz Erfolg nie verraten hat, fällt mir nicht ein.

Fazit: Das KoBM hat wieder ein paar Schritte nach vorn gemacht. Zwar stößt der Eintrittspreis an der Abendkasse bitter auf und der Countdown der verbleibenden Spielzeit am Bühnenrand hat genervt, aber es wurde auch vieles richtig gemacht und/oder verbessert: Die Bandauswahl war wieder deutlich hochwertiger, die Location gut gewählt und das Personal nett. Über den Sound konnte man (am Samstag) nicht meckern und Camping-/Parkmöglichkeiten sind in der Stadt eine feine Sache. Sogar der Anteil an braunem Gesocks ist spürbar zurückgegangen. Alles in allem ein schönes Ding, nächstes Jahr sieht man sich hoffentlich wieder.























Montag, 11. April 2016

Konzertbericht: Pentagram und noch 'ne Band

Wiesbaden, Schlachthof, 08.04.2016

In Vorfreude auf klassischen Doom besuchte meine Wenigkeit an diesem Freitagabend den Schlachthof, der eine wirklich gute Location für mittlere bis große Bands ist. Im November, bei Carcass, Obituary und Voivod, war das Ding noch rappelvoll, diesmal ist die Bandauswahl kleiner und dementsprechend ist der Saal nur zur Hälfte gefüllt. Macht aber nichts, umso freier kann man sich bewegen.
Auf den Tourplakaten standen noch 2 Vorbands, auf den Tickets ist es dann nur noch eine: MONDO DRAG eröffnen eine Dreiviertelstunde lang mit Musik für die man bekifft sein muss, um sie gut zu finden. Hippies auf der Bühne, die eine Menge Hipster im Publikum ansprechen. Mich nicht, dafür waren die Jungs einfach zu lahm, mit ihrer Mischung aus Hardrock, Synthie-Sound/Keyboards und wenig dazupassendem Gesang. Hinterher haben noch Uriah Heep angerufen und wollten ihren Sound zurück.
Zum eigentlichen Grund meiner Anwesenheit: PENTAGRAM kommen, schlagen die ersten Riffs an und spätestens als Bobby Liebling die Bühne betritt ist das Flair da. Tonnenschwere Riffs, gottverdammter Groove und eine Stimme, die trotz hohen Alters, jeder Menge Drogen und vieler Konzerte nichts an Intensität eingebüßt hat. Vergleicht man den optischen Zustand des Sängers und seine Stimme mag man kaum glauben dass man mit 62 noch zu solchen Leistungen fähig ist. Auch wenn es wohl einiger Hilfsmittel bedarf. Die ersten beiden Songs lang kann sich Bobby jedenfalls nicht von seinem Handtuch trennen, an dem er immer wieder schnüffeln muss. Oder hat er sich bloß den Mund abgewischt? Egal, wir müssen es nicht wissen. Die Show an sich ist sehr routiniert und arschtight, die Einsätze sitzen alle und auch bei der Songauswahl sind alle Alben vertreten. Meine persönlichen Highlights waren Relentless und Last days here. Vermisst habe ich The Ghoul.
Für die Zugabe muss der Gitarrentechniker das Publikum nochmal kräftig anheizen, aber dann ist die Stimmung wieder da und drei Songs werden noch zum Besten gegeben. Trauriges Ende ist der letzte Song, bei dem Bobby dann erst vor dem Gitarrenamp umfällt um sich dann am Boden rumkullernd die Haare zu bürsten und dann liegenzubleiben bis erst Gitarrist Victor Griffin ihn am Bein Richtung Mikrophon schleift und dann Bassist Greg Turley ihn mittels der Beine über dem Bühnenrand wieder zum Aufstehen bewegen will. Beide Versuche enden nicht ganz mit gewünschtem Erfolg. Zwar schafft Herr Liebling es wieder aufzustehen, verlässt dann aber ohne weiteren Kommentar die Bühne. Da das ganze eher lustig als erbärmlich anzusehen war und die Songs sonst alle wie eine eins standen, tut es dem Gesamtbild keinen Abbruch. Tolle Show, jederzeit wieder.